Marburger Kindheitsmuseum

Das Marburger Kindheitsmuseum war ein Museum für jederman und wurde nach dem Vorbild des Londoner Museum of Childhood gegründet. Es befand sich in einem schönen alten Haus mit verwunschenem Garten aus dem Gründerzeitstil am Barfüßertor 5 - nur wenige Minuten vom Marktplatz entfernt an der Grenze zur historischen Altstadt Marburgs. Es wurde 1979 von Helge-Ulrike Hyams und ihrem Mann Charles Barry Hyams errichtet und von ihnen in privater Initiative betrieben. 2006 erhielt es den "Otto-Ubbelohde-Preis" - ein Kulturpreis des Landkreis Marburg-Biedenkopf. Das Kindheitsmuseum war das älteste seiner Art in Deutschland.

In der Hüterschen Villa aus dem späten 19. Jahrhundert befanden sich drei historisch gestaltete Räume - darunter ein altes Klassenzimmer, das den Eindruck einer Dorfschule des Marburger Landes vor 100 Jahren vermitteln sollte. Zudem konnte man ein Kinderzimmer bessergestellter Familien begutachten. Eines hatten alle Räume gemeinsam: sie zeigten Kinderwelten aus früheren Zeiten.
In der Bibliothek des Museums wurde eine beträchtliche Sammlung jüdischer Kinderbücher sowie alte Kinder- und Schulbücher präsentiert. Auch diverse Glückwunschkarten, darunter Glückwünsche zur Geburt und Glückwünsche zum Kindergeburtstag, konnten begutachtet werden. Darüber hinaus wurden diverse Spielzeuge aus vergangenen Zeiten sowie ein Spiel-Zoo mit ca. 600 Spielzeugtieren gezeigt. Ziel war es, bei einem Besuch die eigene Kindheit reflektieren zu lassen - sich in die letzten beiden Jahrhunderte von Jungen und Mädchen hineinzuversetzen.

Bis kurz vor der Schließung im Jahr 2009 lag das Marburger Kindheitsmuseum allein in den Händen von Helge-Ulrike Hyams, nachdem ihr Mann zuvor verstorben war. Um das Bestehen des Museums sicherzustellen, wurde dessen Trägerschaft zuvor noch an einen Verein übergeben. Leider konnte die Schließung dadurch letzlich nicht verhindert werden.
Ganz abzuschreiben ist das Marburger Kindheitsmuseum allerdings noch nicht, da es eventuell im Kulturzentrum auf dem Waggonhallen-Gelände am Ortenberg eine neue Heimat finden könnte.